Am Freitag, den 9. Oktober 2020 findet/fand die Finissage der Ausstellung “Die Macht der Gefühle. Deutschland 19I19” in der Zeit von 19:00 Uhr bis 21:00 Uhr in der Volkshochschule Vogtland, Stresemannstraße 98 in Plauen (3.Etage) statt.
Vertreter des Runden Tisch werden bzw. haben über einige der in der Ausstellung dargestellten Emotionen kurz sprechen bzw. haben gesprochen.
Ich hatte mich für Empathie eingetragen. Meine Gedanken dazu folgen hier, ich hoffe, ich habe das Thema nicht verfehlt:
Empathie. Einfühlungsvermögen. Sich in die Lage, in die Gefühle von anderen hinein versetzen können.
Man sollte denken, das wäre das Selbstverständlichste überhaupt, “…das kann doch jeder!”. Aber die heutige Zeit belehrt uns. Nicht jeder hat dieses Einfühlungsvermögen, diese Empathie.
Nehmen wir die immer noch aktuelle Situation mit den Tausenden Flüchtenden, welche Ihr gesamtes Hab und Gut hinter sich gelassen haben, nur um Ihr Leben und oftmals das Ihrer Kinder zu retten. Und diese Menschen nehmen sonstwas für Situationen in Kauf, nur aus Ihrer Situation herauszukommen, setzen Ihr eigenes Leben aufs Spiel.
Nun versetzen wir uns in die Lage eben dieser Menschen.
Was würden wir selbst an denen Ihrer Stelle tun? Würden wir genau so handeln? Würden wir ebenso unseren gesamten Hausstand aufgeben, teils auch Familie usw., nur um aus einem Krisenherd, einer Kriegssituation und einer wirtschaftlichen Not zu entfliehen? Können wir das überhaupt erfassen und einschätzen, was das bedeutet und wie schlimm das für die Menschen ist?
Ich denke nicht. Wenn ich so richtig darüber nachdenke, geht es uns doch viel zu gut, als dass wir wüssten, was das bedeutet, “im Krieg zu leben” oder “nicht zu wissen, ob man am nächsten Tag etwas zu essen hat”.
Wir haben hier zwei große gesellschaftliche Probleme. Neid und Egoismus. Diese werden durch bestimmte bunte Blätter der Sensationspresse, durch soziale Medien mit deren Algorithmen oder auch durch politische Populisten tagtäglich weiter geschürt.
Egoismus, weil man immer wieder eingetrichtert bekommt “…die da oben wollen Euch was wegnehmen und es den anderen geben…” oder auch “…die da oben wollen Eure Freiheiten beschränken, Euch unterdrücken, damit andere Euren Platz einnehmen…”.
Neid, weil es so oft heißt “…die kommen hier her und bekommen dies, das und jenes einfach so geschenkt…”, “…die arbeiten nicht und haben trotzdem immer das neueste Smartphone…”.
Dieses bewusste Schüren von Neid und Egoismus, das Erzeugen von Ängsten, blockiert bei sehr vielen Menschen eben jene Empathie, die notwendig wäre, um Zusammenhänge besser zu verstehen. Um Mitgefühl zu entwickeln. Auch um selber Mensch und menschlicher zu sein.
Es ist natürlich auch die Frage der eigenen Erziehung und des eigenen Willens, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und seine eigene Persönlichkeit weiterzuentwickeln.
Abschließend kann ich nur appellieren, mehr auf sein Herz zu hören, sich in jeder Situation fragen “Wie würde ich handeln, was würde ich in dieser Fremdlage tun.”.
Wir brauchen unbedingt viel mehr Einfühlungsvermögen, mehr Mitgefühl, mehr Menschlichkeit – eben mehr Empathie.
— Kai Grünler, 08.10.2020
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